{"id":385,"date":"2020-03-23T20:17:00","date_gmt":"2020-03-23T19:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/?page_id=385"},"modified":"2024-04-01T11:12:20","modified_gmt":"2024-04-01T09:12:20","slug":"polnische-zwangsarbeiterinnen-auf-den-biesenthaler-bauernhoefen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/index.php\/zukunft-durch-erinnerung\/polnische-zwangsarbeiterinnen-auf-den-biesenthaler-bauernhoefen\/","title":{"rendered":"Steinstele 2: Erinnerung ist die Liebe zur Zukunft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1168\" src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/DSCN2108-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/DSCN2108-210x300.jpg 210w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/DSCN2108-717x1024.jpg 717w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/DSCN2108-768x1097.jpg 768w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/DSCN2108-370x529.jpg 370w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/DSCN2108.jpg 828w\" sizes=\"(max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">gewidmet den polnischen Zwangsarbeiter*innen auf Biesenthaler Bauernh\u00f6fen<br \/>\n<\/span><\/strong><\/p>\n<div class=\"pre-video-container\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\"><br \/>\nThema des Zeichens:<\/span><br \/>\n<\/strong>Die Steinstele steht stellvertretend f\u00fcr die Bauernh\u00f6fe in Biesenthal, auf denen w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges Frauen, M\u00e4nner und ganze Familien als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt wurden. Sie lebten mitten unter uns und doch wurde dar\u00fcber kollektiv in ganz Deutschland geschwiegen. Das Schicksal vieler junger polnischer Zwangsarbeiter*innen, die im Deutschen Reichsgebiet zur Arbeit gezwungen wurden, m\u00f6chten wir damit in Erinnerung rufen. Die Sch\u00fcler*innen der Sek.I der Freien Naturschule Barnim haben Ihnen diese Steinstele gewidmet. Als wir auf unserem Schulgel\u00e4nde in der Gr\u00fcnstr. begannen, das damals Geschehene wahrzunehmen, um erste Ideen f\u00fcr das Erinnerungszeichen zu entwickeln, sp\u00fcrten wir wie eine Erstarrung in uns. Als wenn das Erinnern von uns ein liebevolles Hinsehen auf nicht Getanes abverlangte und die Trauer der &#8222;Nichtgeh\u00f6rten&#8220; endlich gesehen werden wollte. Der pers\u00f6nliche Bericht der Zeitzeugin Apolonia S. hat uns erm\u00f6glicht zu verstehen, was damals geschehen ist. Wir danken ihr von Herzen, dass sie bereit war ihre Geschichte auszusprechen und wir sie jetzt lesen konnten. Als wir hinunter zum Flie\u00df liefen, war vor allem die starke Sehnsucht der jungen polnischen Zwangsarbeiter*innen zu sp\u00fcren, wieder in Richtung Osten \u00fcber die Oder in die Heimat aufzubrechen.<\/div>\n<p><video src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/custom\/media\/video\/2_Polen_Final.mp4\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\" width=\"550\" height=\"auto\" buffered=\"\"><\/video><\/p>\n<figure id=\"attachment_431\" aria-describedby=\"caption-attachment-431\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-431 size-medium\" src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/polnische-Erinnerungsstele-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/polnische-Erinnerungsstele-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/polnische-Erinnerungsstele-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/polnische-Erinnerungsstele-1-370x247.jpg 370w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/polnische-Erinnerungsstele-1.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-431\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: MOZ 29.6.2019<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-430\" src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSC_0348-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSC_0348-300x200.jpg 300w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSC_0348-768x511.jpg 768w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSC_0348-370x246.jpg 370w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSC_0348.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Historischer Ort: Biesenthaler Bauernh\u00f6fe<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 12pt;\">Erinnerungen von Apolonia S.<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">verschleppt im Februar 1941, Alter zur Zeit der Verschleppung: 18 Jahre.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\">&#8222;<em>Als ich morgens ausging, gab es eine Stra\u00dfenrazzia. Auch ich wurde gefangen. Mit der ganzen Gruppe wurde ich nach Pozna\u0144 abtransportiert. Dort gab es eine Sammelstelle. Man f\u00fchrte eine \u00e4rztliche Selektion durch, die sehr unangenehm und brutal war. Dann schickte man uns in eine Baracke, in der die Polen auf den Transport nach Deutschland warteten. [&#8230;]<br \/>\nDie Arbeit war sehr schwer. Ein Vorarbeiter verteilte und beaufsichtigte die Arbeit. Wir arbeiteten 12 Stunden t\u00e4glich, und im Winter 10 Stunden: Da war das Getreidedreschen in der Scheune und andere Arbeiten auf dem Hof. Sonntags arbeiteten wir 6 Stunden. [&#8230;] In der Stube waren vier Personen. Es gab keine Arbeitskleidung zum Wechseln. Wir trugen Holzschuhe. Wurden die Kleider nass vom Regen, so trockneten sie auf unseren Leibern. [&#8230;.] Die Arbeit begannen wir um 5 Uhr fr\u00fch. Uns war es verboten, uns vom Wohnort zu entfernen. Der Buchstabe \u201eP\u201c musste stets angen\u00e4ht bleiben. Mit uns arbeiteten auch russische Sklaven und Italiener.<br \/>\n1943 wurde ich nach Berlin abtransportiert. Ich arbeitete dort in der Eisenbahnfirma \u201eBerner\u201c als Putzfrau. Ich wohnte im Stadtbezirk Biesenthal, unweit vom Bahnhof. Der Arbeitstag dauerte acht Stunden. Mit uns wohnten auch Ausl\u00e4nder zusammen. Die Arbeit war leichter, daf\u00fcr aber der Hunger gr\u00f6\u00dfer. Die Lebensmittelzuteilungen f\u00fcr die Polen waren sehr klein. Trieb ich Kartoffeln auf, so tat es mir leid, sie zu sch\u00e4len. Man hungerte. In der Nacht konnten wir nicht schlafen. Die Flugzeuggeschwader bombardierten manchmal dreimal in einer Nacht. Wir waren verpflichtet, in den Bunker zu fliehen. Und auch zweimal t\u00e4glich. Die Luftalarme und Luftangriffe bewirkten, dass wir fast wahnsinnig und v\u00f6llig ersch\u00f6pft waren. [&#8230;] Jeden Tag wurde es schlimmer. Die Offensive n\u00e4herte sich von der Oder her. Am 18. April bombardierten zus\u00e4tzlich die russischen Flugzeuge. Man h\u00f6rte die Front immer n\u00e4her. Die Deutschen aus der Odergegend fuhren Tag und Nacht in die amerikanischen Gebiete. Die Front war immer n\u00e4her. Die Evakuierung kam, aber wir sa\u00dfen im Bunker und wollten uns nicht dem Beschuss aussetzen. [&#8230;] So warteten wir ab, bis die Front nach Biesenthal gelangte. Zu uns kamen die Polen von der sowjetischen Kommandantur. Dann passierte auch ein Unfall: Zwei Personenz\u00fcge prallten aufeinander. Es war schrecklich, sich die massakrierten Leichen und das Schicksal der \u00dcberlebenden und Umgekommenen anzusehen.<br \/>\nWir warteten die Kapitulation nicht ab, sondern verlie\u00dfen Berlin zu Fu\u00df, da es keine Transportmittel gab. Die Erde war von der Stalinorgel und den Minen festgestampft. Die Stadt war menschenleer, wie ausgestorben. Nur die Front bewegte sich Richtung Stadtmitte. Unterwegs hatten wir verschiedene Erlebnisse. So gelangten wir an die Oder. Weiter konnte man mit einem G\u00fcterzug fahren. Am 6. Mai waren wir schon in Pozna\u0144. [&#8230;]&#8220;<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\">Quelle: \u00a9Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit \/ Slg. Berliner Geschichtswerkstatt<\/span><\/p>\n<p><strong>Aus dem Biesenthaler Amtsblatt<\/strong><em><br \/>\n&#8222;1939 Ende September\/ Anfang Oktober wurden kriegsgefangene polnische Soldaten nach Biesenthal gebracht. Sie waren in einer Sammelunterkunft f\u00fcr die Nacht untergebracht, arbeiteten aber einzeln ohne Bewachung am Tage bei den Bauern als Zwangsarbeiter als Ersatz f\u00fcr die zum Wehrdienst einberufenen Deutschen.&#8220; <\/em><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\">[\u2026]<br \/>\n<\/span><em>&#8220; Fast alle Bauern Biesenthals hatten w\u00e4hrend der Kartoffelernte 1939 die uniformierten Zwangsarbeiter auf ihren Feldern. [&#8230;] Ab 1940 kamen infolge Anwerbung und Zwangsrekrutierung \u00fcber 200.000 Polen als &#8222;Land- und Industriearbeiter&#8220; nach Deutschland. In diesen Jahren waren polnische Frauen und M\u00e4nner auch als &#8222;Landarbeiter&#8220; \/ Zwangsarbeiter*innen in Biesenthal und Umgebung besch\u00e4ftigt und wohnten bei den jeweiligen Bauern.&#8220;<\/em><br \/>\n<em>Ab 1940 &#8211; 45 [&#8230;] galten f\u00fcr die Ausl\u00e4nder deklassierende Verhaltensvorschriften. Zudem mussten sie an ihrer Kleidung ein gelb-lila Stoffabzeichen mit einem &#8222;P&#8220; tragen. Entsprechend ihres katholischen Glaubens wurden die Polen vom Pfarrer der Katholischen Kirche betreut. Das waren f\u00fcr Biesenthal und Umgebung<strong> 40 bis 100 Menschen<\/strong> bei gesonderten Gottesdiensten.&#8220;<br \/>\n<\/em>Quelle: Gertrud Poppe: Biesenthaler Amtsblatt, Serie: Biesenthal vor 50 Jahren,\u00a0 April &amp; Juli 1995, S.20, S21.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-432\" src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-300x225.jpg 300w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-768x576.jpg 768w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-370x278.jpg 370w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0623-1040x780.jpg 1040w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0 <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-435\" src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0931-Kopie-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0931-Kopie-300x225.jpg 300w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0931-Kopie-768x576.jpg 768w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0931-Kopie-370x278.jpg 370w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/DSCN0931-Kopie.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\"><br \/>\nStandort der Steinstele:<\/span><br \/>\n<\/strong>ehemalige Bauernh\u00f6fe im alten Stadtkern Biesenthals, stellvertretend Gr\u00fcnstr. 11<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1643\" src=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSCN3498-Kopie-225x300.jpg\" alt=\"8. Mai 2021\" width=\"319\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSCN3498-Kopie-225x300.jpg 225w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSCN3498-Kopie-370x493.jpg 370w, https:\/\/zukunft-durch-erinnerung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/DSCN3498-Kopie.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/p>\n<p><iframe style=\"border: 0;\" tabindex=\"0\" src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d1238.526548002657!2d13.631372488207864!3d52.76495999873513!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x0%3A0x0!2zNTLCsDQ1JzUzLjkiTiAxM8KwMzcnNTQuOSJF!5e1!3m2!1sde!2sde!4v1588883056672!5m2!1sde!2sde\" width=\"600\" height=\"450\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" aria-hidden=\"false\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>gewidmet den polnischen Zwangsarbeiter*innen auf Biesenthaler Bauernh\u00f6fen Thema des Zeichens: Die Steinstele steht stellvertretend f\u00fcr die Bauernh\u00f6fe in Biesenthal, auf denen w\u00e4hrend des 2. 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