Glossar

Die nachstehenden Definitionen und Erläuterungen sind, soweit nicht anders angegeben, den folgenden Websites entnommen:

Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Als Archiv-, Ausstellungs- und Lernort informiert das Dokumentationszentrum insbesondere über die Geschichte und Dimension der größten Gruppe der NS-Zwangsarbeit.

Zwangsarbeit im NS-Staat. Das Bundesarchiv bietet das Informationsportal „Zwangsarbeit im NS-Staat“ in Zusammenarbeit mit zahlreichen archivischen Einrichtungen im In- und Ausland an. Die Entwicklung des Portals wurde von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) gefördert.

Zwangsarbeit 1939-1945. Erinnerungen und Geschichte. Eine Kooperation der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum

Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung!

 

Außenlager KZ Sachsenhausen

Das System der Konzentrationslager in Europa umfasste in der Zeit zwischen 1936 und 1945 insgesamt 24 Hauptlager und über 1.000 Außenlager. Das KZ Sachsenhausen bei Berlin fungierte ab Sommer 1936 als „Musterlager“. Ausgehend davon entstanden neue größere Konzentrationslager.

Alle Konzentrationslager hatten Außenlager bzw. Außenkommandos. Die Außenlager unterstanden der Verwaltung und Verfügungsgewalt des jeweiligen Stammlagers und waren von unterschiedlicher Größe und Dauer. Häftlinge, die Zwangsarbeit in den Außenkommandos verrichten mussten, kehrten hingegen in der Regel nach dem täglichen Arbeitseinsatz in das Hauptlager zurück. Während die Stammlager befestigt waren und über eine komplexe Überwachungsstruktur verfügten, variierte dies bei den Außenlagern. Diese waren zum Teil nur mit einem Stacheldraht umzäunt oder die Häftlinge waren in Gebäuden untergebracht, die sich in der Nähe der Arbeitsstätte befanden. Mobile Außenkommandos wurden von SS-Wachmannschaften begleitet und überwacht.

Durch den zunehmenden Arbeitseinsatz der Häftlinge in den Siedlungs- und Bauprojekten der SS und der Rüstungsindustrie wurde die IKL („Inspektion der Konzentrationslager“) im Februar 1942 dem „SS – Wirtschafts- Verwaltungshauptamt“ unter der Leitung von Oswald Pohl unterstellt. Ab 1942 dienten die Konzentrationslager zum einen verstärkt als Stätten der Ausbeutung zur Zwangsarbeit, zum anderen entstanden mit dem 1940 errichteten Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und dem 1941 erbauten Konzentrationslager Majdanek im „Generalgouvernement“ Orte der Massenvernichtung.

(Quelle: https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/haftstaetten/index.php?tab=24)

 

 

Italienische Militärinternierte (IMI)

Im Zweiten Weltkrieg waren NS-Deutschland und das faschistische Italien zunächst Bündnispartner. Am 8. September 1943 trat Italien aus dem Bündnis aus. Die deutsche Wehrmacht nahm daraufhin die italienischen Soldaten und Offiziere gefangen. Etwa 650 000 wurden in das Deutsche Reich und in die besetzten Gebiete deportiert. Das NS-Regime wollte die Arbeitskraft der Italiener ausbeuten. Da im besetzten Italien ein von Deutschland abhängiger faschistischer Marionettenstaat fortbestand, erklärte man die Kriegsgefangenen zu Militärinternierten. So waren die Italiener zwar Militärangehörige eines befreundeten Staates, konnten aber zugleich ohne Rücksicht auf das Völkerrecht als Zwangsarbeiter in der Rüstung eingesetzt werden. Hunger, Krankheiten und Gewalt prägten den Alltag der Gefangenen.(Quelle: https://www.ns-zwangsarbeit.de/italienische-militaerinternierte/themen/deutschland-und-italien-als-buendnispartner-1936-1943/).

 

 

Orte der Zwangsarbeit

Zwangsarbeiter*innen wurden im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten eingesetzt. In insgesamt 30.000 Lagern arbeiteten die verschleppten Menschen unter härtesten Bedingungen. Ihr Alltag war von Rassismus geprägt.

Sie wurden von privaten Firmen, Behörden, Bauern oder Familien beschäftigt, untergebracht und überwacht. Kriegsgefangene und Militärinternierte dagegen unterstanden der Wehrmacht, Häftlinge der SS oder der Gestapo.

Praktisch gab es in jedem Betrieb – vom Großunternehmen bis zum Handwerksbetrieb – Zwangsarbeiter*innen. Bis Herbst 1941 wurden sie vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, danach zunehmend auch in der Rüstungsindustrie sowie in anderen kriegswichtigen Industrien, schließlich in fast allen Arbeitsbereichen –von Einzelhaushalten über mittelständische Unternehmen bis hin zu Großbetrieben.

In der Landwirtschaft betrug ihr Anteil 46 Prozent, in der Industrie knapp 40 Prozent, davon in der Rüstungsindustrie etwa 50 Prozent.

In großer Zahl wurden Zwangsarbeiter*innen auch im „Luftschutzdienst“ und zum Räumen von Trümmern eingesetzt. Sie waren zudem in allen öffentlichen Dienstleistungseinrichtungen (Verkehrs- wie Versorgungsbetrieben, Müllabfuhr und Straßenreinigung) tätig, ebenso wie in Einrichtungen der beiden christlichen Großkirchen, etwa in Krankenhäusern oder auf Friedhöfen.

 

Die Technische Nothilfe (TN) setzte im 2. Weltkrieg ca. 16 000 Zwangsarbeiter*innen aus den besetzten Ländern ein (Quelle: https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/geschichte/gedenktafeln/artikel.125664.php).

Ab 1936 wurde die Technische Nothilfe schrittweise zu einer „technischen Hilfspolizeitruppe“ im Rahmen der Ordnungspolizei umgewandelt. Während des Kriegs stellte die Technische Nothilfe technische Einheiten sowohl für den Luftschutz im Reichsgebiet als auch in den besetzten Gebieten im Gefolge der Wehrmacht (Quelle: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Technische_Nothilfe#Die_Technische_Nothilfe_im_.22Dritten_Reich.22_und_im_Zweiten_Weltkrieg)

Sie war die Vorgängerin des heutige Technischen Hilfswerks (THW). Vgl. http://www.thwhs.de/bibliothek/technische-nothilfe-1919-1945/.

Die Organisation Todt (OT) entstand im Mai 1938, als Adolf Hitler Fritz Todt mit den Arbeiten für den Bau des Westwalls beauftragte. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Ernennung Todts Reichsminister für Bewaffnung und Munition bildete sich die OT in eine militärisch gegliederte Bauorganisation um. Ab 1943 mussten auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene unter schwersten Bedingungen auf den OT-Baustellen arbeiten. Gegen Ende 1944 verfügte die OT über rund 1.360.000 Arbeitskräfte, von denen nur etwa 60.000 Deutsche waren.(Quelle: Robert Thoms, Deutsches Historisches Museum 2015, in: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns-organisationen/organisation-todt.html; Zur Zwangsarbeit bei der TN und OT siehe auch: Rafetseder, Hermann, NS-Zwangsarbeits-Schicksale: Erkenntnisse zu Erscheinungsformen der Oppression und zum NS-Lagersystem aus der Arbeit des Österreichischen Versöhnungsfonds, S. 391-395).

 

Zivilarbeiter

Als Zivilarbeiter werden Zwangsarbeiter bezeichnet, die keine Kriegsgefangenen, Militärinternierte oder KZ-Häftlinge waren.

Rund 8,4 Millionen Zivilarbeiter wurden dafür in das Deutsche Reich verschleppt – Männer, Frauen und Kinder aus den besetzten Gebieten Europas.  

Die größte Gruppe der männlichen und weiblichen Zivilarbeiter stammte aus der Sowjetunion, gefolgt von Menschen aus Polen und Frankreich. Mehr als die Hälfte der zur Zwangsarbeit eingesetzten polnischen und sowjetischen Zivilarbeitskräfte waren Frauen; viele der Verschleppten waren noch minderjährig.

 

Tschechische Zwangsarbeiter*innen Im Herbst 1941 waren bereits ca. 140.000 Tschechen zur Zwangsarbeit eingesetzt. Ab September 1942 wurden ganze Jahrgänge zur Arbeit in der deutsche Rüstungswirtschaft gezwungen. Diese Willkür traf zunächst die 1921 und 1922 Geborenen, ca. 135.000 Personen. 1943 kamen die Jahrgänge 1923 und 1924 an die Reihe. Im Spätsommer 1944 waren unter den ca. 8,5 Millionen Zwangsarbeitern in Deutschland schließlich ungefähr 500.000 Tschechen und 200.000 Slowaken. (Quelle: Alena Wagnerová, Sie nannten es »Totaleinsatz«, Tschechische Arbeitskräfte im NS-Staat, in: der Freitag, Die Wochenzeitung,  8.9.2000).

 

In Polen wurden aufgrund der sog. Polen-Erlasse bereits im Frühjahr 1940 regelrechte Menschenjagden zur Rekrutierung von Arbeitskräften durchgeführt.  Ca. 3 Millionen Polen wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. (Quellen: https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/vor-75-jahren-die-polen-erlasse; https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/haftstaetten/index.php?tab=27)

 

Mehr als 700.000 französische Zivilarbeiter, in etwa die Einwohnerzahl Marseilles, bzw. 2 % der französischen Gesamtbevölkerung oder 6% der männlichen Erwerbsbevölkerung der Zeit wurden gegen ihren Willen als Arbeitskräfte nach Deutschland verbracht. 1943 stellten sie mit einem Anteil von 26,3% die größte Gruppe aller ausländischen männlichen Zivilarbeiter dar, 1944 die drittgrößte Ausländergruppe insgesamt. (Quelle: http://www.deuframat.de/konflikte/krieg-und-aussoehnung/franzoesische-zwangsarbeiter-in-deutschland-1940-45/zivile-).

 

 

Zwangsarbeit

Zwangsarbeit ist eine Arbeit, die mit nicht-wirtschaftlichem Zwang und unter Androhung von Strafe verlangt wird.

Unter Zwangsarbeit im Nationalsozialismus versteht man insbesondere die Verschleppung und Ausbeutung von ausländischen KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und „zivilen“ Arbeitskräften in Deutschland.

Deutsche Juden, Sinti und Roma und Häftlinge leisteten aber ebenfalls Zwangsarbeit.

Zwangsarbeit gab es auch in Ghettos, Arbeitserziehungslagern und anderen Lagern im gesamten besetzten Europa und betraf insgesamt etwa 26 Millionen Menschen. Einen Überblick über die verschiedenen Lagerarten im NS-Staat finden Sie beim Bundesarchiv, hier.

Daneben herrschte in vielen besetzten Ländern ein allgemeiner Arbeitszwang für die Zivilbevölkerung. Davon abzugrenzen sind die Arbeitspflichten für die deutsche Bevölkerung (Reichsarbeitsdienst, Dienstverpflichtung, Landjahr), die unter völlig anderen Bedingungen stattfanden.

 

 

Zwangsarbeiter

Zwangsarbeiter*innen waren KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene, Militärinternierte und Zivilarbeiter. Insgesamt wurden 26 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit eingesetzt: Niemand konnte während der NS-Zeit in Deutschland leben, ohne ihnen auf Schritt und Tritt zu begegnen: Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus ganz Europa waren allgegenwärtig. Die Lage der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter war für jedermann offen sichtbar. Millionen dieser Menschen gehörten in allen Teilen des Reiches zum Alltag während des Krieges.

 

 

Zwangsarbeitslager

Die Zwangs- bzw. Zivilarbeiter waren bis auf wenige Ausnahmen in Lagern untergebracht, die über das gesamte Reichsgebiet verteilt waren.

Ebenso gab es außerhalb des Reichsgebietes Zivilarbeitslager, faktisch überall dort, wo die Wehrmacht Gebiete besetzt hielt. Deportationen von Zivilarbeitern und Kriegsgefangenen waren dabei an der Tagesordnung.

Der nationalsozialistischen Rassenideologie gemäß waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ausländischen Zivilarbeiter nach einer rassistischen Hierarchie gestaffelt: Ihre Unterbringung reichte von einfachen Barackenunterkünften, die vor allem für westeuropäische Zivilarbeitskräfte vorgesehen waren, bis hin zu umzäunten und bewachten Lagern für polnische und sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die von vornherein den Charakter von Haftstätten hatten. 

Die Inhaftierten wurden durch besondere Abzeichen an der Kleidung („P“ für Polen, „OST“ für „Ostarbeiter“, die Bezeichnung für sowjetische Zivilarbeiter) gekennzeichnet.

Schwere körperliche Arbeit, Repressionsmaßnahmen, mangelhafte Ernährung, fehlende medizinische Versorgung sowie katastrophale sanitäre Bedingungen führten zu Unterernähung, Entkräftung und im Verlauf des Krieges regelmäßig zum Tod von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Vor allem zum Ende des Krieges waren die Haftbedingungen in diesen Lagern überwiegend mit denen in Konzentrationslagern vergleichbar. Neben jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern hatten vor allem diejenigen aus der Sowjetunion und Polen die schlechtesten Überlebenschancen, da ihre im nationalsozialistischen Jargon bezeichnete „Vernutzung“ während des Arbeitseinsatzes nicht nur kalkuliert hingenommen wurde, sondern aktiv als „Vernichtung durch Arbeit“ im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauungspolitik durch das Deutsche Reich betrieben wurde. (Quelle: https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/haftstaetten/index.php?tab=27).

Von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft wurden mehr als 3.800 Zwangsarbeitslager als Haftstätten mit unmenschlichen Haftbedingungen, unzureichender Ernährung und fehlender medizinische Versorgung eingestuft (Quelle: https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/haftstaetten/index.php?tab=1)

Einen Überblick über die verschiedenen Lagerarten im NS-Staat finden Sie hier.